Ausstellungsbesuch: indischer Volksschmuck im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau

Geschrieben von Catharina Schupp am in Ausstellungen, Diamanten, Dienstleistung, indischer Volksschmuck

Die Ausstellung im Deutschen Goldschmiedehaus Hanau befasst sich mit der Thematik des indischen Volksschmucks.

Im Gegensatz zu höfischem Schmuck besteht dieser nicht durchgängig aus edlen Materialien, vielmehr trifft ein bunter Mix aus Gold/Silber, Diamanten, Glasperlen, Glasplättchen, Edelsteinen, Perlen, etc. aufeinander. Der Betrachter ist erst einmal auf die üppige Ausgestaltung des Schmucks fixiert, er kann auf den ersten Blick nicht entscheiden, welche der verarbeiteten Materialien edel sind und welche nicht.

Thematisch ist die Ausstellung in zwei Sektionen gegliedert. Da innerhalb Indiens der Volksschmuck sehr unterschiedlich ausgeprägt sein kann, wird pro Vitrine ein Bundesstaat präsentiert. Der Betrachter erhält Informationen über die wirtschaftliche und religiöse Situation und die dort ansässigen Volksstämme. Die genannten Faktoren spiegeln sich deutlich in der Gestaltung des Schmuckes wider, d.h. Schmuck aus ärmeren Provinzen ist weniger prächtig, gröber in der handwerklichen Ausführung und oft nur aus Silber.

Die zweite Sektion der Ausstellung präsentiert einzelne Schmuckgattungen für sich und erläutert deren jeweilige Bedeutung und Funktion. Gold hat in Indien im Schmuck die höchste Bedeutung, da ihm vielfältige positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Für die indische Frau ist ihr Brautschmuck am bedeutendsten, da dieser ihr allein gehört und eine Art Absicherung für die Zukunft darstellt. Generell verbinden Inder mit Schmuck meist eine Schutzfunktion, daher sind oft auch Götter dargestellt. Ohrringe schützen einerseits vor dem Eindringen böser Geister in den Körper und andererseits geben sie Auskunft über den sozialen Status des Trägers und dessen Volkszugehörigkeit. Genauso verhält es sich bei Fußreifen. Am Ende der Ausstellung werden indische Schmuckherstellungstechniken gezeigt. Das Edelsteinfassen verläuft in einer anderen Art wie sonst üblich, so dass es möglich ist, Cabochons und ungeschliffene Steine zu verarbeiten. Ein sehr wichtiges Werkzeug sind „Modeln“ in denen überlieferte Ornamente eingeprägt sind. Weitere Verarbeitungstechniken sind das Emaillieren, das Arbeiten mit (Gold-) Draht, etc.

Der Besuch der kleinen, aber feinen Ausstellung ist empfehlenswert, werden die Informationen für den Laien doch gut verständlich aufbereitet und kommuniziert. Die Präsentation von Schmuck und Text in den einzelnen Vitrinen ist zielgerichtet, der Betrachter wird nicht überfrachtet. Gleichzeitig ist der farbenfrohe und detailreiche Schmuck schon von sich aus einen Ausstellungsbesuch wert.

 

CS/2013

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Catharina Schupp

Gemmologin und Diamantgutachterin DGemG
Fachmitglied der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft Idar-Oberstein

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